Für Isny war die Familie Dethleffs ein Glücksfall. Weniger wegen der einzigartigen Künstlerinnen – das gilt in Isny nicht mehr als bei manchen anderen bedeutenden Künstlern.
Viel wichtiger für Isny ist das Geld: Aus dem "Fabrikle" Dethleffs, wie von der Familie liebevoll benannt, fließt seit sehr vielen Jahren Gewerbesteuer in die Stadtkasse.
Die Fabrik war 1831 gegründet worden. Später wurde sie von den Gebrüdern Dethleffs übernommen. Sie ist seit fast 2 Jahrhunderten Einkommensquelle für viele Familien und Geldquelle für die Stadt Isny . Als Bernd Riedle, der Großneffe von Arist Dethleffs,Geschäftsführer von Dethleffs wurde, waren nach dem Krieg wieder 90 Mitarbeiter beschäftigt. Als er nach 20 Jahren die Zentralgeschäftsführung der inzwischen von Wolfgang Thrun, Erwin Hymer und Jakob Eicker gegründeten Holding CMC niederlegte, waren es mehr als 800 Mitarbeiter allein bei Dethleffs geworden.
Vater, Mutter und Tochter sind allein und zusammen konsequent ihren eigenen Weg gegangen. Jeder der drei Dethleffs ist bis zum Tod sich selbst und seinen Zielen treu geblieben.
01.09.2011 BR |
Fridel Dethleffs-Edelmann
(1899 Hagsfeld bei Karlsruhe-1982 Isny)
Fridel Edelmann wollte Künstlerin werden. Sie hat dafür alle Entbehrungen auf sich genommen. Künstlerinnen waren um 1915 so unnütz wie Zigeunerinnen. Trotzdem setzte Fridel sich durch. Sie wurde eine der ersten Studentinnen an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe. Sie beherrschte bald perfekt den Stil der Karlsruher Akademie. Sie wurde Meisterschülerin. Ihre Werke wurden gerühmt als wichtige Marksteine der Neuen Sachlichkeit. Portraits, Landschaften, Stillleben, Aquarelle und vieles mehr entstand in kurzer Zeit.
Ihr Kampf für die Frau als Künstlerin hatte sich gelohnt. Wenn da nicht die Nazis 1933 – auf dem Höhepunkt von Fridels Karriere – an die Macht gekommen wären. Ihr eigener Malstil schien identisch zu sein, mit den Vorstellungen der Nazis von „Deutscher Kunst“. Fridel genoss die Anerkennung, um die sie so hart gekämpft hatte. Aber die Nazis waren die falschen Freunde.
Wohl zu spät zog sie sich zurück in die innere Emigration. Nach 1945 reichte das nicht. Sie wurde heftig angefeindet. So wie früher, als sie in Karlsruhe Kunst studieren wollte. Trotzdem malte sie weiter. Sie gründete den Künstlerkreis der Sezession Oberschwaben-Bodensee (SOB). Nach der mutigen Reise mit Familie und Wohnwagen durch die kommunistische UDSSR unter Breschnew bis nach Georgien fand sie in ihren Gemälden die neue Brücke zwischen ihrem Karlsruher Stil und der Moderne. Wenige Jahre später erkrankte sie an einem Gehirntumor. Nach der Genesung konzentrierte sie sich bis zu ihrem Tod auf die Arbeit an Collagen - dabei war die absolut sichere Hand der Malerin keine Voraussetzung. Ihre Liebe zur Kunst war ungebrochen. |
Arist Dethleffs
(1908 Isny-1996 Isny)
Der Dritte im Bunde – Arist Dethleffs hatte Fridel Edelmann 1931 gegen die harsche Kritik des Fabrikanten Albert Dethleffs, seines Vaters, geheiratet. Er wünschte sich als Mutter seines Enkels für die Fabrik keine Künstlerin aus Baden. Arist heiratete sie trotzdem in Karlsruhe.
Wenig später erfüllten sie sich ihren gemeinsamen Wunsch: Es war der erste deutsche Caravan -damals Wohnauto genannt. Fridel wollte ein Wohnauto, in dem sie malen konnte. Er wollte seine Frau auf die vielen Reisen als Verkäufer der Dethleffs’schen Fabrikate (Reitpeitschen, Skistöcke usw.) mitnehmen. Als schwäbischer Fabrikantensohn bekam er kein Geld für die Übernachtung seiner Frau in Gasthöfen – das war seine Privatsache. Das Wohnauto war für beide die Rettung. Dass die beiden dafür als Zigeuner verlacht wurden, waren ihnen gleich: Die meisten Zigeuner halfen ihnen auf ihren Reisen.
Nach 1945 wuchs das Wohnwagenwerk Dethleffs mit der wachsenden Freizeit der Deutschen. Arist wurde von seinem Vater wirtschaftlich unabhängig. Er trat als Evangelischer in die, damals als katholisch eingestufte CDU ein und wurde deren 1. evangelischer Vorsitzender von Württemberg-Hohenzollern. Zusätzlich übernahm er in der Sezession Oberschwaben die Aufgabe des vermögenden Kassiers. Mit seinem Holzvergaser wurden die Kunstwerke vieler Künstler zu den ersten Ausstellungen nach dem Krieg transportiert.
Um die Zukunft von Ursula zu sichern verkaufte der kranke Unternehmer 1970 das Wohnwagenwerk an die Unternehmer W.Thrun und J.Eicker. Vom Erlös wurde die Kunst-Galerie für Ursula neben dem Wohnhaus gebaut.
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Ursula Dethleffs
(1933 Ottersweier-1994 Isny)
Für Ursulas Mutter war – neben der eigenen Kunst - die künstlerische Erziehung ihrer Tochter die wichtigste Aufgabe. Ursula wurde bald als begnadete, junge Künstlerin in Süddeutschland von einem Museum zum anderen gereicht.
Über die Künstlerfreunde der Mutter wurde sie eingeführt in die Welt von Max Ackermann, Otto Dix, HAP Grieshaber, Sepp Mahler, Melchior Setz und vielen anderen. Sie lernte schnell – oft war sie eingeladen in die Ateliers der Freunde. Sie beherrschte bald mehr Kunsttechniken als die Mutter. Sie hatte das Glück – im Gegensatz zur Mutter - mit der modernen Kunst aufzuwachsen. Es entstanden herrliche Hinterglasbilder, Zeichnungen, Radierungen, Lithografien, Textilarbeiten, Collagen, Reliefs auf Keramik, vieles andere bis zu den späten Holzreliefs der Objektkunst.
In dieser reifen Phase verwandelte sie Altes, Gebrauchtes in neue Kunst. Ursula konnte verbrauchte Objekte zu neuem Leben erwecken. Sie konnte mitwirken an dem Schutz von Natur und Wertstoffen. Für Ursula war es die symbolische Auferstehung der Materie.
Selbst Freunde der Isnyer Künstler verstanden weder die Objektkunst noch Ursula. Sie spotteten über die „Schrottursel“. Das war bitter für sie. Hatte sie doch mit viel Engagement in Isny die Künstlergruppe "Arkade" gegründet und in jeder Beziehung unterstützt. Trotz des Spotts mancher Kollegen ging sie ihren eigenen Weg bis zum Ende weiter. Ursula war damit zu ihrem Ausgangspunkt urückgekommen: zur Religion.
Die Religion war in den Werken ihrer Jugend das Wichtigste – und zwar unabhängig von der Konfession. Erst als sie im ersten Schuljahr eines Tages beim Tischgebet daheim das Kreuz schlug, erfuhr die evangelische Familie, dass Ursula in der Schule den katholischen Religionsunterricht besuchte.
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